Beispiellose Medienhatz gegen Andrea Ypsilanti

Veröffentlicht am 12.03.2008 in Landespolitik

Da bleibt einem doch der Morgenkaffee im Halse stecken, wenn man zum Frühstück die Lokalpresse aufschlägt. Wieder zwei ganze Seiten zur gegen die SPD. Man sorgt sich eben um das Schicksal dieser traditionsreichen Volkspartei. Die hat zwar die Verfolgungen unter Bismarck überstanden, die Spaltungen im Ersten Weltkrieg und die nachfolgenden Turbulenzen, Inflation und Weltwirtschaftskrise, zwölf Jahre Hitler-Dikatur und im Osten sogar 44 Jahre Kommunistenherrschaft, doch jetzt muss es wohl mit ihr zu Ende gehen - glaubt man den Medien.

Liebe Leser, können Sie sich eigentlich noch erinnern?:
  • Die SED erfasst eine Massenflucht ihrer ehemals 2,3 Millionen Mitglieder, auch die meisten anderen DDR-Organisationen lösen sich in dieser Weise auf
  • Die CDU sammelt die Wendehälse Musterdemokraten aus CDU-Ost und DBD ein
  • Die FDP sammelt die Wendehälse Musterdemokraten aus LDPD und NDPD ein
  • Anschließend werden CDU und FDP bis zum heutigen Tag definieren, wer sich in ihren Augen noch Demokrat nennen darf
Da stören auch so kleine Widerlichkeiten kaum, wie beispielsweise:
  • der ausländerfeindliche Wahlkampf von Herrn Koch 1999
  • Spenden- und Schwarzgeldskandal der Hessen-CDU, Herr Koch weiß von nichts
  • Ole von Beust legt sich mit Richter Gnadenlos (Ronald Schill) ins Koalitionsbettchen
  • Helmut Kohl stellt sich über das Grundgesetz - ungestraft bis heute
Gab es damals eine auch nur annähernd vergleichbare Medienkampagne? Aber auch diese Hetze endet irgendwann. Sie wird nämlich langsam langweilig und zu offensichtlich. Bedenken Sie auch die Mitleidseffekte. Wenn die Medien weiter so auf Ypsilanti und Beck eindreschen, dann sagt sich der deutsche Michel am Ende noch, das ist so nicht gerecht (denn was ist eigentlich der Anlass?) und erinnert sich auch wieder kurz daran, welche Themen zuvor die Republik bewegten. Wir wollen nachhelfen:
  • Asoziale Millionäre in Liechtenstein,
  • Herr Koch fordert: Kinder in den Knast,
  • Herr Schäuble will den Schnüffelstaat,
  • die USA fordern die Ausweitung des Afghanistankrieges von Deutschland.
Die SPD fordert auch etwas, nämlich dass man von seiner Arbeit Lohn leben kann. Mindestlohn nennt sie das und weil auch die Grünen und die PDS das fordern und die drei Parteien zusammen eine (vom Wahlvolk demokratisch legitimierte) Mehrheit im Bundestag, Bundesrat, Bundesversammlung und in zehn Bundesländern hätten, standen die Chancen dafür nicht schlecht. Doch nach dieser Kampagne dürfte einigen dazu wohl der Mut vergangen sein. Nur die Mehrheiten, die sind geblieben. Verdammt?! Und darum wird diese Kampagne wohl doch nicht enden. Es ist Bundestagswahlkampf und wir sind bereits mitten drin… Und noch was: Wenn die Zeitung mit den großen Buchstaben jemanden aus der SPD feiert, dann stimmt was nicht. Denn dieses Blatt will alles andere, als der SPD was Gutes...also aufgepasst, Frau Metzger... Ein Artikel von Ivan Nagel aus dem Feuilleton der Frankfurter Rundschau vom 11.03.2008 setzt sich mit der medialen Berichterstattung der letzten Tage über die Geschehnisse in Hessen und im Bund auseinander. Ein lesenswerter Artikel.. Den Artikel jetzt lesen..(als PDF-Datei)
 
 

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