Gerechtigkeit beginnt beim FairErben

Veröffentlicht am 14.01.2026 in Bundespolitik

Worum gehts bei der Reform der Erbschaftsteuer?

Warum brauchen wir eine Reform?

Die SPD setzt sich für ein gerechtes Steuersystem ein. Ein solches System soll Leistung belohnen, Chancengleichheit fördern und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken.

Die heutige Erbschaft- und Schenkungsteuer wird diesem Anspruch jedoch nicht gerecht. In der Praxis gilt häufig:

  • Kleine und mittlere Erbschaften müssen Steuern zahlen.
  • Sehr große Vermögen bleiben durch Sonderregeln und Gestaltungsmöglichkeiten oft ganz oder überwiegend steuerfrei.

So zahlen Menschen mit sehr großen Erbschaften im Verhältnis oft weniger als Menschen mit deutlich kleineren Vermögen. Das ist nicht gerecht und diese Ungleichbehandlung hat Folgen:

  • Sie verstärkt die ungleiche Verteilung von Vermögen.
  • Sie untergräbt das Vertrauen in ein faires Steuersystem.
  • Und sie entzieht dem Staat Einnahmen, die zum Beispiel für Schulen, Straßen oder Klimaschutz gebraucht werden.

Darum wollen wir die Erbschaftsteuer reformieren. Damit große Vermögen einen fairen Beitrag leisten, während Familien und normale Erbschaften besser geschützt werden.

Warum kommt der Vorschlag jetzt?

Dass die SPD die Erbschaftsteuer gerechter gestalten will, ist seit langem bekannt. In früheren Regierungen fehlten dafür jedoch die politischen Mehrheiten. Das Ziel war deshalb auch im Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025 festgeschrieben.

Nun gibt es einen ganz konkreten Anlass zu handeln: Das Bundesverfassungsgericht befasst sich aktuell mit der Frage, ob die weitreichenden erbschafts- und schenkungssteuerlichen Begünstigungen beim Übergang großer betrieblicher Vermögen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Ein Urteil wird für 2026 erwartet. Darum legen wir einen konkreten Reformvorschlag vor.

Was ist das Problem mit der bisherigen Erbschaftsteuer?

In Deutschland werden jedes Jahr sehr große Vermögen vererbt oder verschenkt: rund 300 bis 400 Milliarden Euro. Davon wurde im Jahr 2023 jedoch

  • nur 121,5 Milliarden Euro steuerlich erfasst
  • und lediglich 9,2 Milliarden Euro tatsächlich besteuert.

Das entspricht nicht einmal einem Prozent des gesamten Steueraufkommens.

Der Hauptgrund dafür sind weitreichende Ausnahmen, vor allem für Unternehmensvermögen. Allein im Jahr 2023 verzichtete der Staat dadurch auf rund 8 Milliarden Euro an Steuereinnahmen zugunsten von Erben und Erbinnen von Unternehmen.

Die Folgen sind eine deutliche Schieflage:

  • Sehr große Vermögen werden effektiv deutlich niedriger besteuert als kleinere Erbschaften.
  • Zwar sieht das Gesetz offiziell Steuersätze von 7 bis 50 Prozent vor, in der Praxis wirkt die Steuer jedoch umgekehrt.

So lag der tatsächlich gezahlte Steuersatz zwischen 2021 und 2024:

  • Bei Multimillionen- und Milliardenvermögen im Schnitt bei 1,8 Prozent,
  • im Jahr 2023 sogar bei nur 0,1 Prozent.
  • Erbschaften unter 20 Millionen Euro wurden dagegen mehr als dreimal so hoch belastet.

Welches Ziel hat die Reform?

Mit der Reform wollen wir die Erbschaftsteuer modernisieren, einfacher machen und gerechter ausgestalten. Dabei verfolgen wir drei zentrale Ziele: Familien schützen, Unternehmensnachfolgen sichern und große Vermögen fair beteiligen.

Wie sieht der Vorschlag konkret aus?

 

1. Familienerbe besser schützen

Künftig soll ein Lebensfreibetrag von bis zu 1 Million Euro gelten. Erbschaften innerhalb der Familie von bis zu 900.000 Euro bleiben so geschützt und in den allermeisten Fällen steuerfrei.

Für Schenkungen außerhalb der Familie soll es einen Freibetrag von 100.000 Euro geben. Damit wird ein klarer, gut verständlicher Schutz für normale Fälle geschaffen.

Das ersetzt die bisherigen komplizierten Freibeträge, die vom Verwandtschaftsgrad abhängen und immer wieder neu berechnet werden müssen. Das neue Modell ist einfacher, transparenter und nachvollziehbarer.

 

2. Unternehmensnachfolgen absichern

Für Betriebe führen wir einen Unternehmensfreibetrag von 5 Millionen ein. Das ist besonders wichtig, weil die deutsche Wirtschaft stark von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Familienbetrieben geprägt ist. Viele dieser Unternehmen können so steuerfrei an die nächste Generation übergeben werden.

Außerdem sollen Steuerzahlungen besser planbar werden. Sie können über längere Zeit gestundet werden und aus laufenden Gewinnen erfolgen. Stundungen sollen bis zu 20 Jahre möglich sein. So werden die Substanz des Unternehmens sowie Arbeitsplätze geschützt.

 

3. Große Vermögen fair beteiligen

Wir schaffen die bisherigen Sonderprivilegien für große Betriebs- und Kapitalvermögen ab. Diese Ausnahmen haben bislang dazu geführt, dass sehr große Vermögen oft kaum besteuert wurden.

Kurz gesagt: Wir entlasten Familien und den Mittelstand und sorgen dafür, dass sehr große Vermögen ihren gerechten Beitrag leisten. Das Konzept der vier Abgeordneten ist hier verlinkt.

Faire Steuern schaffen faire Lebensbedingungen.

 
 

Mitmachen, jetzt Farbe bekennen!

Newsticker

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de

Wir gehören dazu:

www.websozis.de

Der Server für Sozis:

www.soziserver.de