Sommertour 2008 - Station in Allendorf

Veröffentlicht am 02.07.2008 in Landkreis

Die Gruppe am Kirchenstumpf Bennighausen

ALLENDEORF (EDER), 01.07.2008 (ied). Über Stock und Stein ging es bei der zweiten Etappe der diesjährigen Sommertour des SPD-Landtagsabgeordneten Reinhard Kahl. Eine Wanderung führte zur historischen Landesgrenze zwischen dem Kurfürstentum Hessen (Kassel) und dem Großherzogtum Hessen (Darmstadt) sowie zur Wüstung Bennighausen, die unmittelbar an dieser Landesgrenze liegt. Sachkundige Informationen für fast 30 Interessierte, unter ihnen viele Amts- und Mandatsträger der SPD, gab der Heimatforscher Walter Sellmann.

Die Ursprünge des Dorfes Bennighausen reichten wohl zurück bis in die karolingische Zeit, also etwa das achte Jahrhundert. Auf einer Hochfläche im Quellgebiet kleiner Bäche seien die topographischen Grundlagen für eine Dorfgründung günstig gewesen, sagte Sellmann. Lößhaltiger Boden ermöglichte am Standort des Dorfes Ackerbau, während die Wiesen auf dem nahen Eichelpfühl genutzt wurden. Dort dürfte sich auch das Vieh befunden haben, Ställe beim Dorf gab es in mittelalterlichen Siedlungen wie Bennighausen nicht. Sellmann schätzte, dass sich in Bennighausen sechs bis acht Höfe mit Nebengebäuden befanden, hier könnten um die 100 Menschen gelebt und gearbeitet haben.

Sellmann nannte Gründe, warum Siedlungen wie Bennighausen aufgegeben wurden. Zum einen waren es Stadtgründungen ab dem frühen 13.Jahrhundert, die Menschen in kleinen Dörfern verließen ihre Heimat. Im frühen 14.Jahrhundert habe es einen Klimawechsel gegeben, der mehrere Jahre hintereinander zu Hungersnöten geführt habe. Aus Dokumenten lasse sich schließen, dass "Fehden" und "Brände" zu einer Aufgabe bzw. Zerstörung Bennighausens geführt haben könnten. Bedeutsam war sicher auch die Pest.

Stattliche Ausmaße hatte das Kirchlein von Bennighausen mit einer Länge von 25 und einer Breite von etwa 10 Metern. Wie viele andere Gotteshäuser stand es in West-Ost-Richtung. Der Altarraum war nach Osten, das Schiff nach Westen ausgerichtet. Lediglich die etwa ein Meter breiten Grundmauern sind noch vorhanden, Wälle zeigen ihren Verlauf. An einer Stelle wurde vor etwa 25 Jahren von einem Privaten eigenmächtig ein Stück Mauer freigelegt.


Diese alte Grundmauer des Kirchenschiffs wurde vor
25 Jahren von einem Privatmann eigenmächtig freigelegt

Das Vorhandensein einer Straßenverbindung begünstigte die Ansiedlung eines Dorfes. Seit vielen Jahrhunderten führte die Kölnische Straße als Fernstraße durch die Wälder der Breiten Struth. Noch heute ist sie als Forstweg erhalten.Von dieser alten Heer- und Handelsstraße gab es Abzweigungen zum nahen Bennighausen. Auch von Allendorf führte eine "Straße" Richtung Bennighausen, der alte Goldbergweg endet noch heute an der Kreuzung mit der alten Kölnischen Straße, wo die Allendorfer im Jahre 1993 zur Erinnerung an ihren Grenzgang die "Bennighäuser Hütte" als kleine Schutzhütte errichteten. (ED)

Alte Landesgrenze
(ied). Heute liegt der Kirchenstumpf Bennighausen unmittelbar an der historischen Landesgrenze, die nach dem 30jährigen Krieg gezogen wurde. Die ältesten erhalten Grenzsteine stammen von 1650. Die Grenze trennte das Kurfürstentum Hessen (Kassel) ab vom Großherzogtum Hessen (Darmstadt). Zur Festlegung des Grenzverlaufs nutzte man damals den gut erhaltenen Kirchenstumpf. Vom Bromskirchener Feld über den Dichterkopf und das Eichelpfühl verlief die Grenze schnurgerade ("per rectam") bis zum Kirchenstumpf, und dann weiter ebenfalls schnurgerade bis oberhalb von Haine. Vor dem Kirchenstumpf ist der Grenzstein Nr. 35 erhalten geblieben. Nach dem Sturm Kyrill wurde der lange verschwundene Stein Nr. 34 unter einem Wurzelteller wiedergefunden. Anlässlich ihrer Grenzgänge hat die Gemeinde Allendorf regelmäßig einige alte Grenzsteine durch Nachbildungen ersetzt.

Bis 1866, als unsere Region zu Preußen kam, hatte die Grenze Bedeutung als Staatsgrenze. Bis 1933 war sie Kreisgrenze. Die alte Grenze ist bei Bennighausen noch heute gleichzeitig die Grenze zwischen den früheren Gemarkungen Allendorf und Haine, weiter nordwestlich zwischen Allendorf und Röddenau und somit auch Gemeindegrenze. Bis heute ist sie die Grenze zwischen den beiden evangelischen Landeskirchen Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck und auch den katholischen Bistümern Fulda und Limburg. (ED)


Unmittelbar vor dem Kirchenstumpf steht ein alter Grenzstein
zwischen dem Kurfürstentum Hessen (KH, Kassel) und dem
Großherzogtum Hessen (GH, Darmstadt) aus dem Jahre 1843.
Die ältesten Steine stammen von 1650, andere von 1754

Text und Fotos: Erwin Strieder



Weitere Bilder:

 
 

Mitmachen, jetzt Farbe bekennen!

Newsticker

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de

Wir gehören dazu:

www.websozis.de

Der Server für Sozis:

www.soziserver.de