Franz Müntefering sagt, wie es ist

Veröffentlicht am 21.04.2005 in Bundespolitik

Müntefering verschärft seine Kapitalismus-Kritik

SPD-Chef greift Deutsche-Bank-Chef Ackermann an - Industrie: SPD wieder voller Mißtrauen gegen Markt und Wettbewerb

Müntefering geißelte erneut die Raubtier-Kapitalisten in der Wirtschaft, Schröder attackierte die Union für ihre "Blockade" bei der Unternehmensteuer.

Finanzminister Hans Eichel spricht sogar von Sabotage, weil CDU/CSU die von ihm geplante Finanzierung der geringeren Unternehmensteuer nicht akzeptieren will. Peer Steinbrück freut's. Der NRW-Regierungschef hofft, daß Münteferings "Ansprache an die eigenen Reihen" die SPD-Wähler am 22. Mai mobilisiert.

Nach seiner Kapitalismus-Kritik knöpfte sich Müntefering in der "Bild am Sonntag" den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, vor. Bei diesem stimme die Unternehmensethik nicht mehr, "wenn er eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zum Ziel erklärt und bei gewachsenen Gewinnen am selben Tag ankündigt, 6400 Menschen zu entlassen", wetterte Müntefering. So etwas deprimiere die Menschen.

Seine Kritik am Kapital verschärfte der SPD-Chef noch einmal: "Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter."

Auch der einflußreiche konservative Seeheimer-Kreis in der SPD gibt Müntefering Flankenschutz. Johannes Kahrs, einer der Sprecher, sagte dem Abendblatt: "Es gibt einen ganz breiten Frust - den ja auch der Kanzler teilt - über diese ganzen Wirtschaftsverbände und einige Manager, die durch ihr ständiges Gemecker und ihre täglichen Verbalrundumschläge die ganze Stimmung in Deutschland weghauen. Durch ihr Gerede schüren sie die Angst der Leute. Und je mehr die Angst wächst, desto mehr wächst auch die Kaufzurückhaltung. Deshalb kommt auch die Binnenkonjunktur nicht in die Gänge." Kahrs monierte weiter: "Die Vertreter fast aller deutschen Wirtschaftsverbände und einige führende Wirtschaftsbosse benehmen sich wie eine sehr unpatriotische Bande von hochbezahlten Schlechtrednern."

Industriepräsident Jürgen Thumann äußerte sich entsetzt. Müntefering verschärfe "wieder das innerhalb der SPD fast schon überwundene Mißtrauen gegenüber Markt und Wettbewerb".

Kommentar dazu: Mit Mißtrauen hat diese Kritik absolut nichts zu tun. Mißtrauen sollte die Bevölkerung eher gegen die Leute haben, die Millionen als Chefs einsacken und ihre Mitarbeiter dafür umsonst arbeiten lassen. Wer osteuropäische Löhne, chinesische Umweltstandards und Kinderarbeit, niedrige US-amerikanische Steuern einerseits, andererseits aber keinerlei Kontrollen und dafür deutsche Soziallleistungen haben will, gefährdet den gesellschaftlichen Konsens viel mehr als der, der nur für seine Arbeit einen angemessenen Lohn haben will.

Das sind die echten vaterlandslosen Gesellen und Sozialschmarotzer! Auf solche Leute kann Deutschland verzichten!

Unternehmer heißt im wahrsten Sinne des Wortes, etwas zu unternehmen, und nicht, nur alles zu nehmen. Und für alle, die nicht wissen, um was es geht, ein ganz kleiner Hinweis auf Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

Klaus Hofmann, Vorsitzender

 
 

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